Pavel Schur Interviewt John David

Pavel Schur Interviewt John David

(Ukraine 6.08.16)

(Ukraine 6.08.16)

Frage:        Du warst 15 Jahre lang Schüler bei Osho. Was ist die wichtigste Lektion, die er dir erteilt hat.

JD:    Die wichtigste Lektion war, mein Leben komplett zu ändern. Von einem, der wie jeder andere in die Welt hinausschaut, zu einem zu werden, der nach innen schaut. Das geschah hauptsächlich durch verschiedene Meditationstechniken und durch Selbstgewahrsein, ich wurde mir bewusst, was in meinem Inneren vor sich geht. Ich änderte meinen Fokus und richtete ihn nicht mehr auf die Welt sondern nach innen.

F:      Und was hast du gesehen, als du den Blick nach innen gerichtet hast?

JD:    Am Anfang sah ich sehr viele Gedanken. Ich hatte einen geschäftigen Verstand. Als ich zu Osho kam, war ich 30 Jahre alt, und wie jeder 30-jährige war ich damit beschäftigt, es in der Welt zu etwas zu bringen. Damals war ich Ingenieur und Architekt. Gelegentlich hatte ich eine Freundin. In der Welt beschäftigten mich viele Gedanken, Wünsche, Frust, Sorgen und dergleichen. Als ich das erste Mal nach innen blickte, gefiel mir das nicht wirklich.

F:      Und die Idee einer Gemeinschaft, woher kam die?

JD:    Osho hatte einen Ashram, und das war eine sehr lebendige Gemeinschaft. Anfang der 70er Jahre kam ich dorthin und machte weiter, wie in den verrückten 60ern, als jeder in irgendeiner Gemeinschaft lebte. Eine Zeit lang war ich Teil dieser lebhaften und sehr internationalen Gemeinschaft.

F:      Jetzt hast du drei Häuser, in Spanien, Deutschland und der Ukraine. Unterscheiden sich die Menschen in der Ukraine und in Europa in spiritueller Hinsicht?

JD:    Der größte Unterschied ist, wie die Menschen in den jeweiligen Ländern konditioniert werden. Das finde ich sehr interessant. Vor  25 Jahren war ich in Russland und reiste durch die Sowjetunion.   
         Seit fünf Jahren fahre ich alle drei Monate in die Ukraine. Ich habe eine sehr nette Gruppe mit Ukrainern. Und diese Menschen sind durch die Sowjetunion und von ihren Eltern und Großeltern konditioniert worden. Zum Beispiel haben sie ein Thema mit Autoritäten. Sie haben kein richtiges Vertrauen in Autoritäten. Das ist dann schwierig für mich, da ich als Lehrer arbeite. Vieles dreht sich bei ihnen ums Überleben, da die Wirtschaft in der Ukraine nicht so stark ist.
     Und dann gibt es da noch andere Aspekte der Konditionierung, wie zum Beispiel, Dinge aufzuschieben. Meiner Meinung nach ist eine Eigenschaft der Ukrainer, alles später zu machen, morgen oder nächste Woche. Die stärkste Konditionierung aus der Zeit der Sowjetunion ist ein starker Widerstand. „Ich will tun, was ich tun will und wann ich es tun will.“ Das ist eine Teenagerreaktion, aber keine echte Freiheit.
           In Deutschland findet man das gegenteil. Dort arbeiten die Menschen sehr viel, wahrscheinlich zu viel, und alles wird sehr ernst genommen. Ihre Konditionierung ist ziemlich anders.

F:      Du kennst verschiedene spirituelle Strömungen und hast viele Meister und Lehrer getroffen. Was haben sie gemeinsam? Was ist ihre größte Idee?

JD:    Die größte Idee, über die die meisten Meister sprechen, ist wohl die, über die Osho gesprochen hat. Sie versuchen, den Menschen zu der Erkenntnis zu verhelfen, dass die Verbindung zu der Welt draußen nicht funktioniert, dass die Hoffnung, glücklich zu werden, wenn alle Wünsche erfüllt sind, nicht aufgeht. Daher ermutigen die Meister im Allgemeinen mit unterschiedlichen Ideen oder Ansätzen die Menschen, nach innen zu blicken.   
         Ich denke, dass im Grunde genommen jeder Meister über diesen Unterschied spricht. Wir hoffen, dass uns eine wie auch immer geartete Befriedigung glücklich machen wird, zum Beispiel ein neuer Job, ein neues Auto, eine neue Freundin oder ein neuer Freund. Die meisten Menschen leben in diesem Kreislauf der Begierden. Es funktioniert nur für eine kurze Zeit, und dann suchen sie eine noch bessere Freundin oder einen noch besseren Freund. Das hilft natürlich etwas, ist aber nicht die Lösung. Wenn du wirklich vollkommen anders leben willst, wenn du in Freiheit und Frieden leben willst, dann funktioniert das so nicht.

F:      Was ist das höchste Ziel der Menschen?

JD:    Sich selbst zu erkennen.

F:      Was ist mit Meditation?

JD:    Meditation und Yoga sind sehr nützliche spirituelle Techniken, die dazu führen können, dass man nach innen blickt. Das ist ein sehr wichtiger Aspekt. Und sie können einem auch zu einem stillen Verstand verhelfen, was auch ein sehr wichtiger Aspekt ist. Diese beiden Aspekte sind sozusagen die Voraussetzungen, die man am Anfang erreichen muss, um dann bereit zu sein für die Selbsterkenntnis.

F:      Du hast einmal erzählt, dass es, als du in Papajis Haus lebtest, dort nicht immer nur friedlich zuging und es auch harte Tage gab. Erzähl doch bitte darüber, was der Vorteil für jemanden ist, der bei einem Meister lebt und wenn dann die schlechten Tagen beginnen.

JD:    Zunächst einmal unterteile ich das Leben nicht in gut und schlecht. Das ist eine christliche Vorstellung von Himmel und Hölle. Meiner Meinung nach birgt alles, was uns geschieht, die Möglichkeit in sich, dass wir etwas darüber lernen, wie wir funktionieren. Wenn man mit einem Meister lebt – ich habe nicht direkt in Papajis Haus gelebt, aber wie auch immer – wenn ich intensiven Kontakt mit ihm hatte, war er für mich wie ein sehr starker Spiegel. Ich sah in den Spiegel und musste etwas über mich selbst erkennen. Wenn du dich also wirklich von dem ganzen Zeug in dir befreien möchtest, bleib einige Jahre in der Nähe eines Meisters. Das ist der schnellste und beste Weg, spirituell frei zu werden, wenn du das wirklich willst.

F:      Aber wie löst man die Schwierigkeiten im Leben?

JD:    Es gibt keine Schwierigkeiten! Was kannst du machen, wenn es plötzlich anfängt zu regnen? Du wirst nass. Wir haben keine Wahl. So etwas passiert die ganze Zeit. In einer Minute werden vielleicht die Mücken anfangen uns zu stechen. Wir können nichts tun. Das sind keine richtigen Schwierigkeiten, denn wir sind bewusste Menschen und haben vorsorglich Mückenmittel versprüht und kleine Feuer angezündet, und das wird hoffentlich gegen die Mücken helfen. Wären wir unbewusst, würden uns die Mücken stechen. Das Leben ist also nicht wirklich schwierig oder problematisch. Benutze einfach deinen gesunden Menschenverstand und stürze dich in das nächste Abenteuer.

F:      Deine Lehre ist also, Selbstbewusstsein aufzubauen. Aber welche Rolle spielt dabei das Unterbewusstsein?

JD:    Wenn man anfängt sich selbst zu erkennen, findet man sehr bald etwas in sich, das man das Unterbewusstsein nennen könnte. Das sind gewisse Strukturen, die die Tendenz haben, sich im Bewusstsein zu wiederholen. Zum Beispiel glauben die meisten Menschen, sie seien nicht gut genug, aber alle anderen seien es. Wenn man an der Oberfläche kratzt, stellt man fest, dass fast jeder diese Struktur hat; das kann also gar nicht stimmen. Es kann nicht jeder nicht gut genug sein. Wir können also davon ausgehen, dass es sich hierbei um so eine automatische Botschaft unseres Unterbewusstseins handelt, die dorthin gelangt ist, als wir noch sehr klein waren.

F:      Und wie ist es dorthin gelangt?

JD:    Wahrscheinlich durch unsere Eltern.

F:      Gibt es denn Eltern, die so etwas nicht verursachen, und die Menschen erfreuen sich einfach an ihrem Leben?

JD:    In unserer Gemeinschaft in Deutschland hatten wir zum Beispiel einen kleinen Jungen, der in der Gemeinschaft geboren wurde und dort acht Jahre lang lebte. Ich würde sagen, er hat den Raum erhalten, sich so zu entfalten, wie er wollte. Das war sozusagen seine Freiheit. Und er hatte einige Väter und Mütter in der Gemeinschaft. Manchmal kamen Leute zu Besuch, und dann suchte er sich für das Wochenende einen neuen Papa aus. Ich hoffe sehr stark, dass wir in fünf oder zehn Jahren beobachten können, dass er nicht herumläuft und sich nicht gut genug fühlt.

F:      Im Moment liefert die Psychologie viele Rezepte, die sehr beliebt sind. Anleitungen, wie man innere Probleme löst, und es gibt Familienaufstellungen.

JD:    Das kann alles sehr nützlich sein. Aber es verhilft einem nicht zur Freiheit. Das, was einem Freiheit bringt, ist die Erkenntnis, dass man schon frei ist. Es ist wirklich sehr, sehr einfach. Das Problem mit der Psychologie ist folgendes: da geht einer zu einem Psychologen und sagt: „Ich hasse meinen Vater, wir streiten uns ständig, können Sie mir helfen?“ Und dann geht dieser Mensch 20 Wochen lang zu einem Psychologen. Das vermittelt ihm das Gefühl, ein Problem zu haben.

F:      Man verwendet viel Zeit und Geld dafür und mit der Zeit liebt man sein Problem.

JD:    Deshalb bezweifle ich, dass das die problematische Beziehung mit dem Vater lösen wird. Mit der Zeit wird es wahrscheinlich ein bisschen einfacher. Und wenn der Vater seinerseits zu einem anderen Psychologen geht, könnte sich die Situation eventuell verbessern.

F:      Entwickelst du dich weiterhin und verwirklichst dich selbst? Und was motiviert dich zur Selbstverwirklichung?

JD:    Ich verwirkliche mich nicht. Ich lebe einfach in Liebe. Nachdem ich Osho verlassen hatte, hatte ich großen Nutzen von diesen 15 Jahren bei ihm. Ich war ziemlich still geworden, mein Verstand war nicht mehr so beschäftigt, wie als ich dreißig war, und ich hatte eine gewisse Erkenntnis. Ich war nicht mehr so sehr im Außen beschäftigt, sondern mehr im Inneren. 
          Nachdem Osho gestorben war, ging ich zu einem neuen Meister, Papaji. Mit seiner Kraft konnte ich sehr schnell erkennen, dass es eigentlich nichts gibt, dass es niemanden gibt. Sobald ich das erkannt hatte, erlebte ich eine tiefgreifende Veränderung. Diese Veränderung ist mir also vor 25 Jahren mit seiner Hilfe passiert. Mir ist klar, dass ich derselbe bin wie alle anderen. Ich bin eins mit allem. Das Leben ist kein Problem mehr. Das Leben fließt von Moment zu Moment und ich bin Teil dieses Flusses. Das ist eine tiefgreifende Veränderung.
          Wenn man nach innen blickt, den Verstand beruhigt und sich seiner selbst bewusst wird, beginnt man sich wirklich selbst zu erkennen. Zum Beispiel wird einem allmählich bewusst, dass man stark ist oder gut genug oder schön. Das setzt unser Potential frei. Jeder Mensch hat irgendein Potential, und ob er dieses Potenzial erreicht, hängt davon ab, ob er bereit ist, an seinen unbewussten Strukturen zu arbeiten, um so viel freizusetzen, dass er lebt, wer er wirklich ist. Und wer er wirklich ist, ist nichts, ist niemand.

F:      In deinem Film „Facetten des Erwachens“ fragst du einen Meister: „Was siehst du, wenn du in die Augen deiner Schüler schaust?“ Jetzt hast du eine eigene Gemeinschaft. Wie würdest du auf diese Frage antworten?

JD:    Wenn ich den Leuten in die Augen sehe, sehe ich Liebe.

F:      Welche Farbe hat die Liebe?

JD:    Die Liebe hat nicht wirklich eine Farbe. Sie ist energetisch. Manchmal ist sie stärker oder schwächer, aber für gewöhnlich hat sie keine Farbe.

F:      Wie könnte man das beschreiben?

JD:    Liebe ist Energie. Mit Jungs und Mädchen, sich verlieben und ein Abendessen mit Kerzenlicht hat sie nichts zu tun. So etwas nenne ich nicht Liebe. So etwas nenne ich eine Krankheit.

F:      Krankheit? Wie muss ich das verstehen?

JD:    Im Laufe der Jahrhunderte sind wir darauf konditioniert worden zu glauben, dass wir wirklich nur dann glücklich werden, wenn wir jemanden finden, der uns liebt.     
           Wir verwenden viel Energie darauf, so einen Menschen zu finden und gehen dann eine Beziehung mit ihm ein. Wir versuchen ein paar Dinge miteinander, und wenn alles gut aussieht, unterzeichnen wir einen Vertrag, das nennt man dann Ehe. Wahrscheinlich wird das nicht lange gut gehen, denn niemand kann dir Liebe geben. Ihr könnt miteinander spielen, und ihr könnt Zugang zu eurer eigenen Liebe finden. Wenn es eine sehr ausgewogene, harmonische Beziehung ist, könnt ihr vielleicht beide in Liebe leben. Die Liebe ist aber deine eigene Liebe. Wenn du aber glaubst, sie käme von dem anderen Menschen, was passiert, wenn dieser Mensch mal einen Abend mit deinem Freund verbringt? Dann wirst du natürlich eifersüchtig und alles zerbricht.
        Natürlich ist es ein großer Schock für dein System, wenn die Person, die dir Liebe gibt, die dich erfüllt, dich glücklich und zufrieden macht, mit jemandem anderen davonzieht. Wenn du echte Liebe erlangen willst, ist das meines Erachtens nicht der richtige Weg. Der richtige Weg ist es, in sich selbst zu gehen.

F:      Ich erlebe hier, dass du eine stille Übung anbietest, bei der niemand spricht. Welche Idee steckt dahinter und wie hilft sie den Menschen?

JD:    Wenn man wirklich still wird, erlebt man, dass man Teil des Ganzen ist, man spürt, dass man Teil eines größeren Energiefeldes ist, was wir auch ein größeres Feld der Liebe nennen können.

F:      Vielen Dank, John David!

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